16.07.2014

Man merkt, dass es ihm gut tut, wenn Leute ihn ansprechen…

Eine Blume gelb weichgezeichnet

Aus unserer Arbeit:

Herrn und Frau M. kenne ich schon seit Jahren. Herr M. hat Schwierigkeiten, Anleitungen umzusetzen, eine sprachliche Verständigung ist ihm kaum mehr möglich. Dabei ist er noch sehr mobil. Seine Frau führt ihn Tag und Nacht durch den Alltag. Jetzt hat sie sich Licht und Schatten als pflegerische Hilfe dazu geholt.

Frau M. erzählt:

2006 waren wir im Urlaub noch in Australien unterwegs. Mein Mann ist dort ohne Probleme mit dem Auto im Linksverkehr gefahren. Heute denke ich aber, die Demenz hat schon Jahre davor angefangen.

Es war eine schleichende Entwicklung. Ich habe lange gebraucht, bis ich realisiert habe, was passiert und welche Konsequenzen es auch für mich hat.
Zunächst habe ich bemerkt, dass er anfing nach Worten zu suchen und Sachverhalte oder Namen von Personen zu umschreiben. Die Sprache war das Erste, was erkennbar betroffen war. Es war 2008, als wir dann die Diagnose „Demenz“ erhielten.

Danach hat er immer weniger gesprochen, anfangs benutzte er noch oftmals Floskeln.

Mit der Zeit wurde mein früher sehr aktiver Mann auch immer antriebsloser. Letztes Jahr hat er im Garten noch Zweige geschnitten, wenn ich ihm eine Schere in die Hand gedrückt habe. Das geht heute gar nicht mehr.
In dieser ganzen Entwicklung gab es immer wieder so etwas wie Schlüsselerlebnisse: Bis im Frühjahr 2012 ist er noch alleine spazieren gegangen, oftmals am Rhein entlang nach Walluf oder Eltville oder in die andere Richtung zur Maaraue.

Das hat sich geändert. Nach unserem Urlaub im Sommer waren wir abends im Garten und plötzlich war er verschwunden. Zuerst habe ich ihn überall selbst gesucht, dann benachrichtigte ich die Polizei. Diese hat ihn dann um 23.30 Uhr in der Breslauer Straße aufgefunden. Seitdem habe ich ihn nicht mehr alleine spazieren gehen lassen.

Seit Anfang letzten Jahres muss ich ihm bei der Körperpflege helfen, zunächst noch als Anleitung. Heute kümmere ich mich um alles; auch beim Essen und Trinken braucht er meine Unterstützung..

Sie machen die Pflege ihres Mannes jetzt quasi 24 Stunden?

Jein. Ich habe mir viel Hilfe geholt. Das muss ich aber alles organisieren. Ich wurde sehr gut von den kommunalen Beratungsstellen bei der Anpassung unseres Hauses an die neue Situation beraten. Wir haben das Schlafzimmer verlegt, das Bad angepasst, Türen umgeändert, Türschwellen abgesenkt und anderes.

Werktags gehen u.a. Betreuer der Alzheimer Gesellschaft mit ihm spazieren. Zwei Mal in der Woche bringe ich ihn zum Betreuungs-Nachmittag des Diakonischen Werks. Wenn ich abends weggehe, kommt auch jemand, der bei ihm bleibt.

Inzwischen wird in unserer Pfarrgemeinde organisiert, dass sich jemand um meinen Mann kümmert, damit ich den Gottesdienst besuchen kann. Solange es möglich ist, möchte ich meinen Mann zu Hause behalten.

Irgendwie weiß er ja, hier ist mein Zuhause. Woanders würde er sich wahrscheinlich völlig verloren fühlen.

Ja, das denke ich auch und habe es bereits schon so erlebt. Ich versuche, soweit wie möglich, normal weiter zu leben. Er ist z.B. regelmäßig bei Treffen mit meinen ehemaligen Kolleginnen dabei. Ich nehme ihn wenn möglich immer mit und verstecke ihn nicht.

Es haben sich schon Bekannte zurück gezogen. Aber Andere gehen auf ihn zu, nehmen seine Hand und begrüßen ihn. Er lächelt dann und man merkt, dass es ihm gut tut, wenn die Leute ihn ansprechen, auch wenn er nicht mehr antworten kann. Mein Mann war immer sehr kontaktfreudig

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