25.06.2014

Nicht immer glücklich, aber 100% im Leben Zehn Jahre Licht und Schatten

Peter Bindl und Irmtraud Hinton

Peter Bindl und Irmtraud Hinton - ein Gespräch

„Würdest Du es wieder tun, Dich auf so ein Licht und Schatten einzulassen?“, frage ich Irmtraud.

„Das kann ich nur schwer beantworten.
Die Arbeit, die ich hier im Büro von Licht und Schatten mache: Das ist viel, das ist aber auch schön. Wir sind selbständig und treffen unsere eigenen Entscheidungen. Manchmal bin ich aber schon neidisch auf die Frauen, deren Männer abends oder am Wochenende zu Hause sind. Dann habe ich das Gefühl, mit Licht und Schatten verheiratet zu sein. – Und Du? Du trägst ja den größten Teil der Last, die so ein Dienst mit sich bringt!“

„Ja, ich würde es wieder machen. Ich wollte eine sinnvolle Arbeit, von der wir leben können, und das ist es ja auch. Ich muss aber auch sagen, dass ich heute manches anders anpacken würde. Auch bei Licht und Schatten gibt es immer wieder Probleme. Ich denke heute, dass ich mich diesen viel konsequenter stelle, als ich das früher getan habe. Früher habe ich noch viel stärker daran geglaubt, dass sich schon alles von selbst wieder einrenkt.

„Du arbeitest mehr, als Du jemals gedacht hast! Viel mehr Stress!“

„Ja, wahrscheinlich. Ich arbeite mindestens 60 Stunden die Woche und habe die wenigsten freien Tage von Allen. Trotzdem fühle ich mich im Wesentlichen gut dabei.“

„Und der Urlaub, der ist nie 100%ig sicher. Und die Verantwortung! Die liegt ja größtenteils bei Dir.“

„Diese Verantwortung kann man, wenn es um die Gesundheit und das Leben von Menschen geht, nur begrenzt abgeben, auch wenn bei Licht und Schatten viele Aufgaben verteilt sind. Wirklich verzweifelt fühle ich mich manchmal, wenn plötzlich Kollegen krank werden und ich sofort reagieren muss, egal was wir uns vorgenommen haben. Ein Glück, dass das Team so hinter dem Dienst steht und wenn Not am Mann ist, gleich mithilft.”

„Es ist auch immer schön, wie sich zwischen dem Dienst und den Klienten oder ihren Angehörigen eine Beziehung entwickelt. Manchmal macht unsere Arbeit ganz viel im Alltag eines Haushalts aus, manchmal bleiben wir ein Nebenaspekt. Immer aber ist es mehr als nur die reine Arbeit.“

Toll finde ich es immer wieder, wie oftmals so liebevoll alte Menschen miteinander umgehen, Ehepaare, die manchmal 60 Jahre miteinander verheiratet sind und wo der eine jetzt für den anderen 24 Stunden am Tag da ist. Das ist menschlich sehr ermutigend!“

„Du hattest immer gesagt, wir sollten privat und die Arbeit trennen. Nach 10 Jahren ist aber klar geworden, dass das nicht geht. Auf der anderen Seite haben wir ja jetzt auch ein bisschen  mehr Zeit für uns. Unser Leben spielt sich eben auf der Arbeit und zu Hause ab. Sogar die Hunde sind richtige Bürohunde geworden. Und jetzt ist es so, dass wir da auch nicht mehr zurück können.“

Ja, Licht und Schatten  war letztendlich schon eine grundsätzliche Entscheidung, die sich über die Jahre  immer mehr vertieft hat. Mir ist es dabei sehr wichtig, dass es immer eine Arbeit bleibt, mit der ich einen persönlichen und gesellschaftlichen Sinn verbinden kann.“

„Insofern sind wir zwar nicht immer glücklich, stehen aber doch immer 100 Prozent im Leben.“

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