18.02.2016

Auf Tour mit Anne Ehmann

Anne vor dem Büro

Mein Dienst beginnt morgens um 06.00 Uhr. Ich komme 10 Minuten früher ins Büro – Zeit für eine Tasse Kaffee. Ich ziehe meinen Tourenplan aus meinem Fach und lese, wen ich heute besuche. Ich hole die passenden Schlüssel und die Medikamente. Rasch noch Handschuhe einpacken und jetzt aber los!
Als erstes komme ich zu einer dementen alten Dame und betrete mit Klingeln und dem Schlüssel die Wohnung. Ich unterstütze sie im Bad und dann gehen wir in die Küche. Ich mache Kaffee und Frühstück, gebe ihr noch ihre Tabletten und weiter geht's.

Die nächste Klientin wohnt in einer betreuten Wohnanlage. Ich ziehe ihr die Kompressionsstrümpfe an und wiege sie noch. Sie hat, seit sie in der Einrichtung wohnt, sieben Kilo abgenommen.

Weiter geht's  in eine Altenwohnanlage, die Frühaufsteher begrüßen mich und ich treffe Mitarbeiter anderer Pflegedienste. Im zweiten Stock erwartet mich meine nächste Klientin. Nun schnell das Bett machen, im Bad der Dame beim Waschen helfen und Frühstück machen. Ich verabschiede mich, nehme den Müll mit und eile davon. Ich muss schnell machen, denn meine nächste Klientin hat einen Arzttermin und muss pünktlich das Haus verlassen.

Frau Bürger ist eine Schmerzpatientin, ihr Rücken ist kaputt und wir müssen uns beeilen, damit sie pünktlich zum Arzt kommt. Ich habe vor ihr großen Respekt, weil sie nie jammert und klagt. Ich selbst bin wahnsinnig wehleidig.

Pünktlich bin ich beim nächsten Ehepaar. Sie leben am Rhein und haben einen wunderschönen Blick über den Fluss. Dennoch geht es Beiden nicht gut. Heute fühlt sie sich so schwach, dass sie die Pflege ablehnt. Unverrichteter Dinge ziehe ich 25 Minuten zu früh weiter.

Also erst mal Pause und ein Fleischkäsebrötchen und dann geht's weiter zu einer Dame, die seit vielen Jahren im Rollstuhl sitzt. Auch die Sprache ist bei ihr betroffen. Oft wird sie, wenn sie unterwegs ist, belächelt, einfach geduzt oder behandelt, als wäre sie geistesgestört. Ich frage mich, woher sie die Kraft nimmt, jeden Tag mit ihren Ein- schränkungen zu leben. Ich glaube, dass die Planung ihres täglichen Lebens anstrengender ist, als zu arbeiten. Und sie kann niemals eine Auszeit nehmen.

Nun zu meiner letzten Klientin. Sie lebt alleine in einer schönen alten Wohnung. Das Waschbecken in der Küche ist riesengroß und dient auch als Bad. Das WC ist im Treppenhaus. Sie schaut gerne Fußball und mag Apfelsaftschorle. Sie freut sich unheimlich über meinen Besuch, lässt sich aber ungern unterstützen. Wir würden ihr gerne mehr helfen um ihre Lebensqualität zu verbessern.
Im Büro treffe ich meine Kollegin, wir reden über den Morgen und überlegen, wo wir etwas besser machen könnten.

Nun noch meinen Rucksack ausräumen und dann geht's ab in den Garten. In Gedanken beschäftige ich mich aber noch eine ganze Weile mit all den Menschen, die mir heute begegnet sind. Ich bin froh, dass ich ein wenig Licht und Freude in ihr Leben bringen durfte.

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