25.04.2018

Zu Besuch bei Stefan Bierlich

Herr Bierlich ist 52 Jahre alt und wohnt seit 10 Jahren in einer 2-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung.

Aufgrund seines Krankheitsbildes (Spastische Tetraplegie) ist er seit 40 Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen, seit 15 Jahren führt er einen Elektrorollstuhl. Licht und Schatten kommt als Pflegedienst morgens und abends zu ihm. Eine Haushilfe vom Nachbarschaftshaus Biebrich sorgt für eine saubere Wohnung und frische Wäsche. Seit dem Tod seiner Mutter hat er eine Betreuerin, die für die gesundheitsrelevanten sowie juristischen Fragen zuständig ist.

Schon vor geraumer Zeit hat mir Herr Bierlich das „Du“ angeboten.

Hallo Stefan, wie geht es Dir heute gesundheitlich?

Jetzt gerade geht es mir gut, ich bin schmerzfrei.

Freut mich zu hören. Wie war Dein heutiger Tag?

Ich bin so gegen 9.00 Uhr aufgestanden. Um 9.30 kam Marion Wettengel von Licht und Schatten. Bei ihr war eine Pflegeschülerin. Frau Wettengel hat die Körperpflege und Wundversorgung übernommen, die Schülerin hat mir beim Ankleiden geholfen. Nach dem Vorbereiten meines Frühstücks gingen die Beiden weiter auf ihre Pflegetour.

Ich frühstückte und schaute dabei Fernsehen, was ich in der dunklen und kalten Jahreszeit relativ viel und gern tue. Ich bin großer Fan von Star-Trek, besser bekannt als Raumschiff Enterprise. Mittags habe ich meine E-Mails gelesen und ein bisschen Home-Office gemacht. Jetzt machen wir das Interview für eure Zeitung und um 20.00 Uhr kommt Annette Mauder vom Pflegedienst.

Erzähl mal, was so Besonderes ist für Dich an Raumschiff Enterprise?

Die Antwort ist eigentlich sehr einfach und leicht: Die Aussicht auf eine besseres Miteinander der Menschheit.

Erzähl doch mal von Deinen Treffen mit den Schauspielern der Serie.

Schon als Kind hatte ich meiner Mutter gesagt: “In 40 Jahren werde ich den Stars der Serie die Hand geben“. Die Antwort meiner Mutter:“Träum weiter, Bub“. 1989 war ich auf einem Star-Trek-Event in Berlin bei dem viele Schauspieler der Originalbesetzung waren. Vom Darsteller des Captain Kirk habe ich ein Autogramm bekommen.

Eine schöne Geschichte! Ich glaube, wenn Du Dir was vornimmst, setzt Du es auch um, oder?

Auf Grund meiner körperlichen Beeinträchtigungen bin ich auf mentaler Ebene gewachsen. Das hat mir viele Türen geöffnet. Ein Leben mit Behinderung bedeutet nicht, dass man sein Leben nicht so gestalten kann, wie man es möchte und für richtig hält.Abend und ein neuer Tag.

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